• Wir entwickeln derzeit einen landesweiten Lehrplan zum Thema „Planetary Health“ für Studierende der Gesundheitsberufe. Er wird hier im Frühjahr/Sommer 2026 veröffentlicht. Falls Sie Fragen haben oder einen Beitrag leisten möchten, melden Sie sich bitte bei uns!

Der Schweizer „Planetary Health Report Card“

Die Ausgabe 2025 des „Planetary Health Report Card Medicine“ (PHRC) unterstreicht das wachsende Engagement der Schweiz für die Integration von Planetary Health in die medizinische Ausbildung. Diese von Studierenden geleitete Initiative bewertet medizinische Ausbildungsstätten weltweit hinsichtlich ihrer Bemühungen, zukünftige Gesundheitsfachkräfte auf die ökologischen Herausforderungen vorzubereiten, die sich auf die menschliche Gesundheit auswirken.

Die Ergebnisse zeigen stetige Fortschritte, insbesondere bei der Lehrplanentwicklung und bei studentischen Initiativen. Mehrere Einrichtungen haben neue Lehrmodule zu klimabedingten Gesundheitsrisiken, nachhaltigen Praktiken im Gesundheitswesen und umweltbedingten Gesundheitsfaktoren eingeführt.

Zwar spiegeln die Ergebnisse von 2025 eine positive Dynamik wider, doch gibt es noch Raum für Verbesserungen, insbesondere bei der interdisziplinären Zusammenarbeit und der institutionellen Unterstützung. 

E-Learning

  • Wir entwickeln derzeit ein landesweites E-Learning-Angebot zum Thema „Planetary Health“, das allen Studierenden, Lehrkräften, Fachkräften und Interessierten im Gesundheitsbereich offensteht. Es wird 2027 hier veröffentlicht. In der Zwischenzeit können Sie sich in unseren nützlichen Ressourcen bereits vorhandene E-Learning-Angebote aus der Schweiz und dem Ausland ansehen.

Transformative Bildung

Was ist transformative Bildung?

Transformative Bildung versteht Lernen als einen Prozess kritischer Reflexion, der zu Veränderungen in Perspektiven, Einstellungen, im Verständnis beruflicher Rollen und im Handeln führen kann. Ausgehend von Mezirows Theorie des transformativen Lernens geht sie über die reine Wissensvermittlung hinaus und verbindet Fakten mit Emotionen. Sie fordert die Lernenden dabei ausdrücklich dazu auf, selbstverständliche Annahmen zu hinterfragen, gesellschaftliche Normen und Werte sowie ihre Rolle in der Welt und die Beziehung des Menschen zur nicht-menschlichen Welt zu überdenken.

Folglich fördert transformative Bildung einen umfassenderen sozioökologischen Wandel, indem sie Einzelpersonen befähigt, ihr Potenzial zur Wirkung zu erkennen und sinnvolle Maßnahmen für die Gesundheit auf individueller, institutioneller und gesellschaftlicher Ebene zu ergreifen (1-2).
Lesen Sie weiter unten mehr über die Relevanz transformativer Bildung, die drei Ebenen des Wandels und Beispiele aus der Lehre.

Hintergrund: Warum ist transformative Bildung für die planetare Gesundheit wichtig?

Bildung spielt eine zentrale Rolle dabei, sicherzustellen, dass Lernende sich nicht nur als zukünftige Fachkräfte im Gesundheitswesen, sondern auch als Akteure des Wandels bei der Gestaltung gerechter, widerstandsfähiger und nachhaltiger Gesundheitssysteme und Gesellschaften verstehen (3). Transformative Bildung legt laut UNESCO den Schwerpunkt auf die Eigenverantwortung der Lernenden, kollektives Lernen, Systemdenken und Zukunftsorientierung. Reflexion, Dialog, emotionales Engagement und Handeln werden daher als zentrale pädagogische Elemente und nicht als optionale Ergänzungen betrachtet. Dabei baut sie auf dem Konzept von „Kopf, Herz und Hand“ auf, das der Schweizer Pädagoge Johann Heinrich Pestalozzi (1746–1828) eingeführt hat. Durch die Einbeziehung dieser drei Elemente können Bildungsprozesse die Lücke zwischen Wissen und transformativem Handeln überbrücken. 

Daher spielt transformative Bildung eine zentrale Rolle für die planetare Gesundheit. Sie ist mehr als nur die Vermittlung von Wissen und stellt einen bewussten, zielgerichteten Prozess dar, der sowohl den kognitiven als auch den affektiven Bereich einbezieht. Die Lernenden werden dazu angeregt, ihre bisherigen Annahmen, Weltanschauungen und Vorurteile kritisch zu hinterfragen, wodurch sie neue Interpretationen von Gesundheit, Gesellschaft und Umwelt entwickeln können. Diese Form des Lernens trägt der Komplexität und Unsicherheit der Welt Rechnung und lädt die Studierenden dazu ein, etablierte Bezugssysteme zu hinterfragen (1–3).

Die Prinzipien der transformativen Bildung stehen im Einklang mit anderen neuen Rahmenwerken wie den „Inner Development Goals“, die den Schwerpunkt auf persönliche und zwischenmenschliche Fähigkeiten legen (z. B. Sein, Denken, Beziehungen knüpfen, zusammenarbeiten und Handeln). Sie spiegeln sich auch im „Future Skills“-Rahmenwerk wider, das Kompetenzen wie Selbstwirksamkeit, Systemdenken, Vorausschau und transformatives Handeln als wesentlich für die Bewältigung komplexer globaler Herausforderungen hervorhebt (4,5).

Wichtig ist, dass eine transformative Bildung im Bereich der planetarischen Gesundheit epistemische Pluralität erfordert.

Die vorherrschenden biomedizinischen und eurozentrischen Paradigmen werden durch indigene und andere nicht-westliche Wissensansätze ergänzt, die Relationalität, Gegenseitigkeit und die Verbundenheit zwischen menschlicher und nicht-menschlicher Gesundheit betonen. Indigene Rahmenkonzepte, wie relationale Gesundheitskonzepte, landbasiertes Wissen und das Prinzip der Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen, bieten wertvolle Perspektiven für eine Neudefinition von Gesundheit jenseits extraktiver und wachstumsorientierter Modelle. Indem sie die Bedeutung der Integration vielfältiger Wissenssysteme mit Demut und Respekt hervorhebt, zielt die transformative Planetary Health Education darauf ab, zukünftige Gesundheitsfachkräfte mit der Fähigkeit zu ethischer Reflexion, interkulturellem Dialog und transformativem Handeln in vielfältigen Kontexten auszustatten.

Drei Ebenen des Wandels

Transformative Bildung verbindet individuelle, institutionelle und politische Ebenen des Wandels

  • Auf der Mikroebene können Lernende ihr Verhalten ändern, ihren ökologischen Fußabdruck verringern und nachhaltige Entscheidungen treffen. Diese haben oft positive Nebeneffekte für die Gesundheit, z. B. aktive Fortbewegung oder eine pflanzenreiche Ernährung.
  • Auf der Mesoebene können Lernende ihre gesellschaftlichen Rollen nutzen, z. B. als Gesundheitsfachkräfte, um sich für Veränderungen über die individuelle Ebene hinaus einzusetzen, z. B. für die Förderung von aktiver und öffentlicher Mobilität zum Arbeitsplatz oder für eine gesunde Verpflegung
  • Auf der Makroebene können Gesundheitsfachkräfte sich am öffentlichen und politischen Diskurs beteiligen, sich für klimaresiliente Gesundheitssysteme einsetzen, Petitionen unterzeichnen, mit Politiker*innen sprechen, die Mittel der direkten Demokratie nutzen usw.

Nützliche Ressourcen

Bildung im Bereich der planetarischen Gesundheit

Universität Würzburg, Deutschland
EN
Toolbox zur Aufklärung über planetare Gesundheit – SOPHEA
Eine benutzerfreundliche Toolbox für Pädagogen, Ausbilder und Lernende mit Wissen, Materialien und Ressourcen zum Thema „Planetary Health“
Universität Würzburg, Deutschland
EN
Sammlung von Unterrichtsmaterialien zum Thema „Planetary Health“
Eine ständig wachsende Sammlung von Lehrmaterialien zum Thema planetare Gesundheit für Fachkräfte im Gesundheitswesen im deutschsprachigen Raum
Deutsche Allianz für Klima und Gesundheit (KLUG), Deutschland
DE
Akademie für planetare Gesundheit
Nützliche Informationsblätter und Lernmaterialien (auf Deutsch)
Climate Resources for Health Education (CRHE), Columbia University, USA
EN
Ressourcenbank für Klimainformationen zur Gesundheitserziehung
Eine weltweite Initiative unter der Leitung von Studierenden der Gesundheitsberufe, deren Ziel es ist, kostenlose, öffentlich zugängliche und evidenzbasierte Ressourcen zum Thema Planetary Health bereitzustellen

E-Learnings

Virtuelle Universität Bayern
DE
Planetare Gesundheit – Gesunder Planet, gesunde Menschen?
Frei zugänglich, Anmeldung erforderlich (20 Stunden)
Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW)
DE
E-Learning zum Thema „Planetary Health“
PH-Ausbildung im Schweizer Kontext, frei zugänglich, keine Anmeldung erforderlich (15 Stunden)
Berner Fachhochschule (BFH)
EN
Born Green Generation – Für eine giftstofffreie Gesundheitsversorgung
Offenes Modul, frei zugänglich für alle Studierenden, 2 ECTS
Klimafakultät, Universität Helsinki
EN
PlanetaryHealth.Now
Frei zugänglicher MOOC für Lernende aller Bildungshintergründe, 3 ECTS
EU-Projekt: chAnGE
EN
chAnGE: Mikrozertifikate für Klimawandel und gesundes Altern
Interaktives, barrierefreies und in kleinen Einheiten aufbereitetes E-Learning, bestehend aus „kombinierbaren“ Mikro-Zertifikaten (MC)
Hochschule für Technik und Kunst der Westschweiz (HES-SO)
FR
Ausbilden, um zu verändern
Materialien zur Fortbildung von Lehrkräften und zur Ausbildung von Studierenden, darunter Leitfäden, E-Learning-Angebote, Workshops usw.

Podcasts

DE
Zukunft gestalten
EN
Podcast „Indigenous Planetary Health“
FR
Umwelt und Gesundheit
Podcast-Reihe auf YouTube, HES-SO
DE
Klima im Kopf
Der Podcast von Psychologen für die Zukunft

Videos

Europäisches Netzwerk für Klima- und Gesundheitserziehung
EN
Klimamedizin: Ein klinisches Fortbildungsprogramm für Lehrkräfte im Gesundheitswesen
Eine Reihe von 16 (kostenlosen) Videos mit praktischen, klinisch relevanten Erkenntnissen, die Lehrkräfte im Gesundheitswesen dabei unterstützen sollen, klimabedingte gesundheitliche Herausforderungen anzugehen.
EN
Akademie für planetare Gesundheit
Kostenlose Vorträge zum Thema „Planetary Health“ auf YouTube (EN, DE)
FR
UNIGE/JINX
Wie man ein nachhaltiges Projekt entwickelt