Das Kerncurriculum zu „Planetary Health“ wurde im Juli 2026 offiziell verabschiedet und veröffentlicht. 

Das Curriculum zielt darauf ab, Fachkräfte im Gesundheitswesen zu befähigen,

  • die systemischen Zusammenhänge zwischen Umwelt, Gesundheit sowie politischen, sozialen und wirtschaftlichen Systemen zu erkennen, entsprechend zu handeln und positive Wechselwirkungen zu fördern;
  • sich für gesundheitliche Chancengleichheit innerhalb der planetaren Grenzen einzusetzen;
  • aktiv zur sozial-ökologischen Transformation beizutragen; und
  • gemeinsam eine Gesundheitsversorgung zu gestalten, die die ökologischen Grenzen unseres Planeten respektiert und Resilienz stärkt.

Lesen Sie hier die Vollversion und die Zusammenfassung:

Für medizinische Studiengänge:

Alle Lernziele sind mit dem neuen PROFILES-Katalog abgeglichen. Dieser Abgleich kann den medizinischen Fakultäten dabei helfen, die neu eingeführten Umweltaspekte von PROFILES 2 in ihren Lehrplan zu integrieren. 

 

Die Schweizer „Planetary Health Report Card“

Die Ausgabe 2026 der „Planetary Health Report Card Medicine“ (PHRC) unterstreicht das wachsende Engagement der Schweiz für die Integration von Planetary Health in die medizinische Ausbildung. Diese von Studierenden geleitete Initiative bewertet weltweit Bildungseinrichtungen für Gesundheitsberufe danach, wie gut sie künftige Gesundheitsfachpersonen auf umweltbedingte Herausforderungen und deren Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit vorbereiten.

Die Ergebnisse zeigen stetige Fortschritte, insbesondere bei der Lehrplanentwicklung und bei studentischen Initiativen. Mehrere Einrichtungen haben neue Lehrmodule zu klimabedingten Gesundheitsrisiken, nachhaltigen Praktiken im Gesundheitswesen und umweltbedingten Gesundheitsfaktoren eingeführt.

Zwar spiegeln die Ergebnisse von 2026 eine positive Dynamik wider, doch gibt es noch Raum für Verbesserungen, insbesondere bei der interdisziplinären Zusammenarbeit und der institutionellen Unterstützung. 

E-Learning

  • Wir entwickeln derzeit ein nationales E-Learning-Angebot zum Thema „Planetary Health“, das allen Studierenden, Lehrkräften, Fachkräften und Interessierten im Gesundheitsbereich offensteht. Es wird 2027 hier veröffentlicht. In der Zwischenzeit können Sie sich in unseren nützlichen Ressourcen bereits vorhandene E-Learning-Angebote aus der Schweiz und dem Ausland ansehen.

Transformative Bildung

Was ist transformative Bildung?

Transformative Bildung versteht Lernen als einen Prozess kritischer Reflexion, der zu Veränderungen in Perspektiven, Einstellungen, im Verständnis beruflicher Rollen und im Handeln führen kann. Ausgehend von Mezirows Theorie des transformativen Lernens geht sie über die reine Wissensvermittlung hinaus und verbindet Fakten mit Emotionen. Sie fordert die Lernenden dabei ausdrücklich dazu auf, selbstverständliche Annahmen zu hinterfragen, gesellschaftliche Normen und Werte sowie ihre eigene Rolle in der Welt und die Beziehung des Menschen zur mehr-als-menschlichen Welt zu überdenken.

Folglich fördert transformative Bildung einen umfassenden sozial-ökologischen Wandel, indem sie Einzelpersonen befähigt, ihre Wirksamkeit zu erkennen und sinnvolle Massnahmen für die Gesundheit auf individueller, institutioneller und gesellschaftlicher Ebene zu ergreifen (1-2).
Lesen Sie weiter unten mehr über die Relevanz transformativer Bildung, die drei Ebenen des Wandels und Beispiele aus der Lehre.

Hintergrund: Warum ist transformative Bildung für planetare Gesundheit wichtig?

Bildung spielt eine zentrale Rolle dabei, sicherzustellen, dass Lernende sich nicht nur als zukünftige Fachkräfte im Gesundheitswesen, sondern auch als Akteur*innen des Wandels bei der Gestaltung gerechter, resilienter und nachhaltiger Gesundheitssysteme und Gesellschaften verstehen (3). Transformative Bildung legt laut UNESCO den Schwerpunkt auf die Eigenverantwortung der Lernenden, kollektives Lernen, Systemdenken und Zukunftsorientierung. Reflexion, Dialog, emotionales Engagement und Handeln werden daher als zentrale pädagogische Elemente und nicht als optionale Ergänzungen betrachtet. Dabei baut sie auf dem Konzept von „Kopf, Herz und Hand“ auf, das der Schweizer Pädagoge Johann Heinrich Pestalozzi (1746–1828) eingeführt hat. Durch die Einbeziehung dieser drei Elemente können Bildungsprozesse die Lücke zwischen Wissen und transformativem Handeln überbrücken. 

Transformative Bildung spielt eine zentrale Rolle für die planetare Gesundheit. Sie ist mehr als nur die Vermittlung von Wissen und stellt einen bewussten, zielgerichteten Prozess dar, der sowohl den kognitiven als auch den affektiven Bereich einbezieht. Die Lernenden werden dazu angeregt, ihre bisherigen Annahmen, Weltanschauungen und Vorurteile kritisch zu hinterfragen, wodurch sie neue Interpretationen von Gesundheit, Gesellschaft und Umwelt entwickeln können. Diese Form des Lernens trägt der Komplexität und Unsicherheit der Welt Rechnung und lädt die Lernenden dazu ein, etablierte Bezugssysteme zu hinterfragen (1–3).

Die Prinzipien der transformativen Bildung stehen im Einklang mit anderen neuen Rahmenwerken wie den „Inner Development Goals“, die den Schwerpunkt auf persönliche und zwischenmenschliche Fähigkeiten legen (z. B. Sein, Denken, Beziehungen knüpfen, zusammenarbeiten und Handeln). Sie spiegeln sich auch im „Future Skills“-Rahmenwerk wider, das Kompetenzen wie Selbstwirksamkeit, Systemdenken, Vorausschau und transformatives Handeln als wesentlich für die Bewältigung komplexer globaler Herausforderungen hervorhebt (4,5).

Transformative Bildung im Bereich der planetaren Gesundheit erfordert epistemische Pluralität .

Die vorherrschenden biomedizinischen und eurozentrischen Paradigmen werden durch indigene und andere nicht-westliche Wissensansätze ergänzt, die Relationalität, Gegenseitigkeit und die Verbundenheit zwischen menschlicher und mehr-als-menschlicher Gesundheit betonen. Indigene Rahmenkonzepte, wie relationale Gesundheitskonzepte, landbasiertes Wissen und das Prinzip der Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen, bieten wertvolle Perspektiven für eine Neudefinition von Gesundheit jenseits ressourcenentnehmender und wachstumsorientierter Modelle. Indem sie die Bedeutung der Integration vielfältiger Wissenssysteme mit Demut und Respekt hervorhebt, zielt die transformative Bildung im Bereich planetarer Gesundheit darauf ab, zukünftige Gesundheitsfachkräfte mit der Fähigkeit zu ethischer Reflexion, interkulturellem Dialog und transformativem Handeln in vielfältigen Kontexten auszustatten.

Drei Ebenen des Wandels

Transformative Bildung verbindet individuelle, institutionelle und politische Ebenen des Wandels

  • Auf der Mikroebene können Lernende ihr Verhalten ändern, ihren ökologischen Fußabdruck verringern und nachhaltige Entscheidungen treffen. Diese haben oft positive Nebeneffekte (sogenannte Co-Benefits) für die Gesundheit, z. B. aktive Fortbewegung oder eine pflanzenbasierte Ernährung.
  • Auf der Mesoebene können Lernende ihre gesellschaftlichen Rollen nutzen, z. B. als Gesundheitsfachkräfte, um sich für Veränderungen über die individuelle Ebene hinaus einzusetzen, z. B. für die Förderung von aktiver und öffentlicher Mobilität zum Arbeitsplatz oder für eine gesunde Verpflegung in der Kantine.
  • Auf der Makroebene können Gesundheitsfachkräfte sich am öffentlichen und politischen Diskurs beteiligen, sich für klimaresiliente Gesundheitssysteme einsetzen, Petitionen unterzeichnen, mit Politiker*innen sprechen, die Mittel der direkten Demokratie nutzen usw.

Nützliche Ressourcen

Bildung im Bereich planetare Gesundheit

Universität Würzburg, Deutschland
EN
SOPHEA – Werkzeugkasten für die Planetary-Health-Lehre
Eine benutzerfreundliche Toolbox für Pädagog*innen, Ausbilder*innen und Lernende mit Wissen, Materialien und Ressourcen zum Thema „Planetary Health“
Universität Würzburg, Deutschland
EN
Sammlung von Lehrmaterialien zum Thema „Planetary Health“
Eine ständig wachsende Sammlung von Lehrmaterialien zum Thema planetare Gesundheit für Fachkräfte im Gesundheitswesen im deutschsprachigen Raum
Deutsche Allianz für Klima und Gesundheit (KLUG), Deutschland
DE
Planetary Health Academy
Die Planetary Health Academy bietet Vorlesungen, Workshops und Intensivkurse sowie nützliche Informationsblätter und Lernmaterialien (auf Deutsch) zu Planetary Health sowie Möglichkeiten zur Vernetzung. Das Angebot richtet sich insbesondere an Lernende, Studierende und Beschäftigte im Gesundheitswesen.
Climate Resources for Health Education (CRHE), Columbia University, USA
EN
Ressourcendatenbank mit Lehrmaterialien zu Klima und Gesundheit
Eine weltweite Initiative unter der Leitung von Studierenden der Gesundheitsberufe, deren Ziel es ist, kostenlose, frei zugängliche Datenbank mit evidenzbasierten Lehrmaterialien zu Klimawandel, Gesundheit und Planetary Health bereitzustellen.

E-Learnings

Virtuelle Universität Bayern
DE
Planetare Gesundheit – Gesunder Planet, gesunde Menschen?
Frei zugänglich, Anmeldung erforderlich (20 Stunden)
Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW)
DE
E-Learning zum Thema „Planetary Health“
PH-Ausbildung im Schweizer Kontext, frei zugänglich, keine Anmeldung erforderlich (15 Stunden)
Berner Fachhochschule (BFH)
EN
Born Green Generation – Für eine giftstofffreie Gesundheitsversorgung
Offenes Modul, frei zugänglich für alle Studierenden, 2 ECTS
Klimafakultät, Universität Helsinki
EN
PlanetaryHealth.Now
Frei zugänglicher MOOC für Lernende aller Bildungshintergründe, 3 ECTS
EU-Projekt: chAnGE
EN
chAnGE: Mikrozertifikate für Klimawandel und gesundes Altern
Interaktives, barrierefreies und in kleinen Einheiten aufbereitetes E-Learning, bestehend aus „kombinierbaren“ Mikro-Zertifikaten (MC)
Hochschule für Technik und Kunst der Westschweiz (HES-SO)
FR
Ausbilden, um zu verändern
Materialien zur Fortbildung von Lehrkräften und zur Ausbildung von Studierenden, darunter Leitfäden, E-Learning-Angebote, Workshops usw.

Podcasts

DE
Zukunft gestalten - Der Podcast über Planetary Health
Der Podcast „Zukunft gestalten“ der Deutschen Allianz für Klimawandel und Gesundheit (KLUG) vermittelt verständlich, wie Klima, Umwelt und Gesundheit im Konzept der Planetary Health zusammenhängen. Expert:innen zeigen Lösungsansätze auf und ermutigen dazu, selbst zu einer gesunden und lebenswerten Zukunft beizutragen.
EN
Podcast „Indigenous Planetary Health“
Der englischsprachige Podcast des Archipelagos Collective beleuchtet indigene Ansätze für Planetary Health. Im Gespräch mit indigenen Künstler:innen, Aktivist:innen und Wissenschaftler:innen geht es um Selbstbestimmung und gemeinschaftliches Handeln angesichts von Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Umweltverschmutzung.
FR
Santé Environnement
«Santé Environnement», die französischsprachige Podcastreihe auf YouTube der Hochschule für Gesundheit in Genf verbindet die Welt der Gesundheit mit der Umwelt miteinander. Moderiert wird der Podcast von Gaël Brulé, Professor für Umweltgesundheit, der in seinen Folgen Gäste empfängt, die sich mit Leidenschaft und Engagement für unsere Umwelt einsetzen.
DE
Klima im Kopf - Der Psychologists for Future Podcast
Der Podcast „Klima im Kopf“ der Psychologists for Future beleuchtet die psychologischen Aspekte der Klimakrise. Im Mittelpunkt stehen der Umgang mit belastenden Gefühlen, unterschiedliche Reaktionen auf die Krise sowie Wege zu einem erfüllten und nachhaltigen Leben.

Videos/Webinare

European Network on Climate and Health Education
EN
Klimamedizin: Ein klinisches Fortbildungsprogramm für Lehrkräfte im Gesundheitswesen
Eine Reihe von 16 (kostenlosen) englischsprachigen Videos mit praktischen, klinisch relevanten Erkenntnissen, die Lehrkräfte im Gesundheitswesen dabei unterstützen sollen, klimabedingte gesundheitliche Herausforderungen anzugehen.
Deutsche Allianz für Klimawandel und Gesundheit (KLUG)
EN
Planetary Health Academy
Kostenlose Vorträge zum Thema „Planetary Health“ auf YouTube (EN, DE)
Université de Genève
FR
UNIGE/JINX
JINX!, ein Angebot der Universität Genf, umfasst 19 kurze französischsprachige Videos, die Schritt für Schritt bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsprojekten unterstützen. Sie verbinden theoretische Grundlagen, Werkzeuge des Projektmanagements, praktische Tipps und konkrete Beispiele, um junge Menschen dabei zu unterstützen, ihre Ideen in strukturierte und realisierbare Projekte zu verwandeln.